Ich sitze im Cafe um die Ecke, die Sonne scheint und der Wind weht durch die
Palmenblätter. Ich bin froh, dass ich drinnen sitzen kann und erinnere mich
gerade mit „Augen rollen“ daran, dass ich dringend meine Wäsche abnehmen muss,
die über Nacht den Regen genossen hat.
Es gibt so viel Neues:
und alles nach einander. J
Ich habe, nach drei
Wochen nonstop Examen und Hausarbeiten, eine Woche frei und war am Montag am Strand „Dee Why“ mit zwei
Mädels und gestern in den Blue Mountains. Nach fast 6 Stunden „Bush-walk“ tun
mir alle Muskeln (ok nicht alle) weh, aber ich bin glücklich. J
Die letzten Wochen waren
echt straff, ich hatte jeden Montag mehrere Hausarbeiten abzugeben, muss leider eine Aufgabe von Musik
Theorie wiederholen, habe aber ansonsten alles bestanden. Sehr aufregend und
cool war mein Auftritt am vorletzten Montag. Wir als Workshop hatten die
Aufgabe über zwei Monate eine performance vorzubreiten mit Bühnen-desgin,
Einladung, Moderatoren und der ganzen technischen Seite wie Licht und Sound.
Und obendrein hatten wir zwei Bands mit vielen Sängern. Jeder hatte sich ein
Lied rausgesucht und hatte mehrere Wochen das vorzubreiten und Backgroundvocals
zu trainieren. Naja und weil es ja hier auch im Leitung geht hatte jeder einen
Bereich für den er zuständig war um den Vormittag exzellent zu machen. Oh man und ganz ehrlich, ich mag kein
teamwork J wenn ich alleine arbeiten könnte und jedem nur etwas zuteilen könnte, das
wäre perfekt. Aber NEIN, ich will ja wachsen und so versuchte ich all die
Herausforderungen anzunehmen und organisierte Räume für Proben und telefonierte
alle Sänger ab um sie zusammen zu sammeln für Proben. Wir hatten dann eine
Generalprobe und das meiste lief echt schlecht...so dass wir die letzte Woche
vor dem Auftritt fast täglich den Ablauf übten. Ich selber sang als
Backgroundvocals für drei andere Lieder, was echt Spaß gemacht hat.
Ich war dann vor meinem
eigenen Song echt ziemlich aufgeregt, was schon länger nicht mehr so schlimm
war. Ich versuchte es mit allein sein – was mit so vielen Leuten im Raum echt
schwierig war, aber dann lief es echt richtig gut. Ich hatte ein schwarzen
langes Kleid an und meine Backgroundvocals gaben alles. J Ich sang „Death
by chocolate“ by Sia, was eher ein jazzy und ruhiger song ist. Ich habe es sehr
genossen und alle standen auf und applaudierten. Und ich habe auch diese
Prüfung bestanden mit Worten meiner Lehrer, dass sie gerne bei einem meiner
zukünftigen Auftritte gern dabei wären. Ich liebe es so sehr gesanglich eine
Geschichte zu erzählen und Menschen zu erreichen und zu berühren. So schön. Es
ist wie ein Gedicht, wie als würde die Welt kurz stehen bleiben und sich
niemand bewegt, nur die Atmosphäre aufsaugt.
Aber das schönste
passierte heute.
Wie ich ja schon erzählt
hatte habe ich vor Wochen angefangen mit im Gefängnis Gottesdienste zu gestalten. Wir unterziehen uns
allen Sicherheitschecks, was wieder bedeutet alle Piercings raus zunehmen, und
dann mit den „inmates“ – Insassen- gemeinsam Zeit zu verbringen, mehr über ihre
Herkunft (Kolumbien, Neuseeland, Islander,..) raus zu finden und Lobpreis,
Gebets und eine Predigt zu geniessen.
Diesmal war es anders als
sonst, denn unser Leiter Pastor Gilbert war nicht da und wir hatten kurzerhand
die Aufgabe alles selbst zu organisieren. Lofa, ein Mädchen aus unserer Gruppe
holte mich ab und war ganz verzweifelt was wir tun sollen. Nachdem wir Gott um
Hilfe gebeten hatten kamen wir auf richtig gute Ideen und ich durfte ihr Haus
und ihre sieben Geschwister kennen lernen.
Angekommen im Gefängnis
standen wir vor vielen jungen Männern in grünen kurzen Hosen und grünen
T-Shirts – wie gewohnt. Viele neue waren da und wir begannen drei Lieder zu
singen von einer Bühne ohne Dekoration, mit nur teils funktionierender Technik
und unserem Versuch die Bauarbeiten neben dem Gebäude zu übertönen. In der
ersten Reihe auf den weißen Plastikstühlen saß ein neuer Mann mittleren Alters,
dem ich ansehen konnte, wie ätzend er das hier fand und wie er versuchte mit
ärgerlichen Kommentaren die Situation auszuhalten. Ich wusste nach dem Lobpreis
war es an mir von meinem Leben, von Schmerz und Zerschlagenheit und der
Hoffnung die ich fand in Jesus zu erzählen.
Ich betete, dass mein
englisch gut genug ist und ich nicht durcheinander rede. Ich fang an mich
vorzustellen, wo ich her bin und wie mein Leben aussah, dass ich Jesus begegnet
bin und wo keine Hoffnung und Lebenslust war, jetzt eine Zukunft ist mit Freude
und Hoffnung. Im Raum wurde es sehr ruhig, die lauten Baustellengeräusche
hörten auf und ich sah junge und alte Männer nicken zu dem was ich sagte. Auf
wundersame weise fand ich Worte, die ich mir nicht vorher zurechtgelegt hatte
und wusste, Gott ist mit mir. Ich konnte so sehr fühlen, wie sehr diese Männer
Gott wichtig sind, wie sehr sein Herz für sie schlägt.
Als meine Worte endeten
setzte ich mich, in Erwartung für den nächsten Teil des Gottesdienstes. Da
erhob einer der Männer das Wort und dankte mir sehr, er ermutigte mich, dass
die Vergangenheit mich nicht bestimmt und mich nicht entmutigen soll. Er drehte
sich um zu seinen Mitgefangenen und sagte: „Dreh dich um, alle hier sind von
jetzt ab deine Familie. Wir sind alle deine Brüder.“
Und weiter sagte er, dass
so viele Weiße die Ureinwohner von Australien, die Inselbewohner und
Neuseeländer abgelehnt und verurteilt haben und dass mein Erscheinen und die
Zeit, die ich mit den Gefangen teile, einen großen Einfluss hat auf sie- mehr
als ich sehen kann.
Ich konnte es nicht
glauben. Ich war so berührt, dass hatte ich nun am wenigsten erwartet. Ich
hatte keine Ahnung, dass ich als – bis jetzt- einzige Weiße im Team so einen
Unterschied machte. Ich bin so beeindruckt, dass sie mich in ihr Leben ließen,
noch bevor ich von Vorurteilen und Ablehnung wusste. Etwas Neues bricht auf und
was witzig ist: diese Woche ist die Woche der Entschuldigung und Vergebung von
Weißen und Ureinwohnern. Ich hatte ja keine Ahnung!
Nach all dem beteten wir
für jeden einzelnen Mann und dann kam ich zu dem, der seine Stimme erhoben
hatte und fragte, was ich für ihn beten darf: doch er sagte nur: „Nein jetzt
bete ich für dich.“
Und das Schöne passierte,
dass der Ausdruck des Mannes mittleren Alters in der ersten Reihe veränderte
sich wären meiner Geschichte. Er wurde sanfter und offen, so dass ich für seine
Familie „draußen“ beten durfte und er sich am Ende für die Zeit bedankte. Und
einer der Anderen bat mich mit ihm um Vergebung für seine „dummen
Entscheidungen in der Vergangenheit“ zu beten. Nachdem ich ihm sagte wie
intelligent ich ihn empfinde, verließ er unglaublich glücklich und verändert
den Raum in seine Zelle zurück. Auch eine der unglaublichsten Erfahrungen des
Tages!
GOTT TUT WUNDER. Und ER
gebraucht uns jeden da, WO wir es manchmal nicht ERWARTEN.
So habe ich heute 25 neue
internationale, dunkelhäutige, hellhäutige, tätowierte und gepiercte Brüder
dazu gewonnen. Thanks God.
Und es gibt da noch
was zu erzählen:
Ich habe beschlossen ein
weiteres Jahr hier in Sydney zu studieren und den heißen Sommer zu genießen.
Mein Semester endet Anfang Julie und dann werde ich zweites Jahr sein am
college- werde dann zu den Großen gehören J
Ohne Zweifel weiß ich,
dass ich „songwriiting“ belegen werde, um meine eigenen songs zu schreiben und
die vielen Texte die ich schon habe in Musik zu verwandeln.
Ich merke einfach, ich
bin hier noch nicht fertig. Es gibt noch mehr zu lernen und zu erfahrne hier
für mich. Ich würde gern wiederkommen und es tut mir leid für alle die darauf
gehofft hatten. Aber ich plane im September für 3 Wochen zu kommen und freue
mich riesig auf euch!
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