Donnerstag, 29. Mai 2014

NEWS


Ich sitze im Cafe um die Ecke, die Sonne scheint und der Wind weht durch die Palmenblätter. Ich bin froh, dass ich drinnen sitzen kann und erinnere mich gerade mit „Augen rollen“ daran, dass ich dringend meine Wäsche abnehmen muss, die über Nacht den Regen genossen hat.

Es gibt so viel Neues: und alles nach einander. J

Ich habe, nach drei Wochen nonstop Examen und Hausarbeiten, eine Woche frei und war am Montag am Strand „Dee Why“ mit zwei Mädels und gestern in den Blue Mountains. Nach fast 6 Stunden „Bush-walk“ tun mir alle Muskeln (ok nicht alle) weh, aber ich bin glücklich. J

Die letzten Wochen waren echt straff, ich hatte jeden Montag mehrere Hausarbeiten abzugeben, muss leider eine Aufgabe von Musik Theorie wiederholen, habe aber ansonsten alles bestanden. Sehr aufregend und cool war mein Auftritt am vorletzten Montag. Wir als Workshop hatten die Aufgabe über zwei Monate eine performance vorzubreiten mit Bühnen-desgin, Einladung, Moderatoren und der ganzen technischen Seite wie Licht und Sound. Und obendrein hatten wir zwei Bands mit vielen Sängern. Jeder hatte sich ein Lied rausgesucht und hatte mehrere Wochen das vorzubreiten und Backgroundvocals zu trainieren. Naja und weil es ja hier auch im Leitung geht hatte jeder einen Bereich für den er zuständig war um den Vormittag exzellent zu machen.  Oh man und ganz ehrlich, ich mag kein teamwork J wenn ich alleine arbeiten könnte und jedem nur etwas zuteilen könnte, das wäre perfekt. Aber NEIN, ich will ja wachsen und so versuchte ich all die Herausforderungen anzunehmen und organisierte Räume für Proben und telefonierte alle Sänger ab um sie zusammen zu sammeln für Proben. Wir hatten dann eine Generalprobe und das meiste lief echt schlecht...so dass wir die letzte Woche vor dem Auftritt fast täglich den Ablauf übten. Ich selber sang als Backgroundvocals für drei andere Lieder, was echt Spaß gemacht hat.
Ich war dann vor meinem eigenen Song echt ziemlich aufgeregt, was schon länger nicht mehr so schlimm war. Ich versuchte es mit allein sein – was mit so vielen Leuten im Raum echt schwierig war, aber dann lief es echt richtig gut. Ich hatte ein schwarzen langes Kleid an und meine Backgroundvocals gaben alles. J Ich sang „Death by chocolate“ by Sia, was eher ein jazzy und ruhiger song ist. Ich habe es sehr genossen und alle standen auf und applaudierten. Und ich habe auch diese Prüfung bestanden mit Worten meiner Lehrer, dass sie gerne bei einem meiner zukünftigen Auftritte gern dabei wären. Ich liebe es so sehr gesanglich eine Geschichte zu erzählen und Menschen zu erreichen und zu berühren. So schön. Es ist wie ein Gedicht, wie als würde die Welt kurz stehen bleiben und sich niemand bewegt, nur die Atmosphäre aufsaugt.

Aber das schönste passierte heute.
Wie ich ja schon erzählt hatte habe ich vor Wochen angefangen mit im Gefängnis Gottesdienste zu gestalten. Wir unterziehen uns allen Sicherheitschecks, was wieder bedeutet alle Piercings raus zunehmen, und dann mit den „inmates“ – Insassen- gemeinsam Zeit zu verbringen, mehr über ihre Herkunft (Kolumbien, Neuseeland, Islander,..) raus zu finden und Lobpreis, Gebets und eine Predigt zu geniessen.
Diesmal war es anders als sonst, denn unser Leiter Pastor Gilbert war nicht da und wir hatten kurzerhand die Aufgabe alles selbst zu organisieren. Lofa, ein Mädchen aus unserer Gruppe holte mich ab und war ganz verzweifelt was wir tun sollen. Nachdem wir Gott um Hilfe gebeten hatten kamen wir auf richtig gute Ideen und ich durfte ihr Haus und ihre sieben Geschwister kennen lernen.

Angekommen im Gefängnis standen wir vor vielen jungen Männern in grünen kurzen Hosen und grünen T-Shirts – wie gewohnt. Viele neue waren da und wir begannen drei Lieder zu singen von einer Bühne ohne Dekoration, mit nur teils funktionierender Technik und unserem Versuch die Bauarbeiten neben dem Gebäude zu übertönen. In der ersten Reihe auf den weißen Plastikstühlen saß ein neuer Mann mittleren Alters, dem ich ansehen konnte, wie ätzend er das hier fand und wie er versuchte mit ärgerlichen Kommentaren die Situation auszuhalten. Ich wusste nach dem Lobpreis war es an mir von meinem Leben, von Schmerz und Zerschlagenheit und der Hoffnung die ich fand in Jesus zu erzählen.
Ich betete, dass mein englisch gut genug ist und ich nicht durcheinander rede. Ich fang an mich vorzustellen, wo ich her bin und wie mein Leben aussah, dass ich Jesus begegnet bin und wo keine Hoffnung und Lebenslust war, jetzt eine Zukunft ist mit Freude und Hoffnung. Im Raum wurde es sehr ruhig, die lauten Baustellengeräusche hörten auf und ich sah junge und alte Männer nicken zu dem was ich sagte. Auf wundersame weise fand ich Worte, die ich mir nicht vorher zurechtgelegt hatte und wusste, Gott ist mit mir. Ich konnte so sehr fühlen, wie sehr diese Männer Gott wichtig sind, wie sehr sein Herz für sie schlägt.
Als meine Worte endeten setzte ich mich, in Erwartung für den nächsten Teil des Gottesdienstes. Da erhob einer der Männer das Wort und dankte mir sehr, er ermutigte mich, dass die Vergangenheit mich nicht bestimmt und mich nicht entmutigen soll. Er drehte sich um zu seinen Mitgefangenen und sagte: „Dreh dich um, alle hier sind von jetzt ab deine Familie. Wir sind alle deine Brüder.“
Und weiter sagte er, dass so viele Weiße die Ureinwohner von Australien, die Inselbewohner und Neuseeländer abgelehnt und verurteilt haben und dass mein Erscheinen und die Zeit, die ich mit den Gefangen teile, einen großen Einfluss hat auf sie- mehr als ich sehen kann.
Ich konnte es nicht glauben. Ich war so berührt, dass hatte ich nun am wenigsten erwartet. Ich hatte keine Ahnung, dass ich als – bis jetzt- einzige Weiße im Team so einen Unterschied machte. Ich bin so beeindruckt, dass sie mich in ihr Leben ließen, noch bevor ich von Vorurteilen und Ablehnung wusste. Etwas Neues bricht auf und was witzig ist: diese Woche ist die Woche der Entschuldigung und Vergebung von Weißen und Ureinwohnern. Ich hatte ja keine Ahnung!
Nach all dem beteten wir für jeden einzelnen Mann und dann kam ich zu dem, der seine Stimme erhoben hatte und fragte, was ich für ihn beten darf: doch er sagte nur: „Nein jetzt bete ich für dich.“
Und das Schöne passierte, dass der Ausdruck des Mannes mittleren Alters in der ersten Reihe veränderte sich wären meiner Geschichte. Er wurde sanfter und offen, so dass ich für seine Familie „draußen“ beten durfte und er sich am Ende für die Zeit bedankte. Und einer der Anderen bat mich mit ihm um Vergebung für seine „dummen Entscheidungen in der Vergangenheit“ zu beten. Nachdem ich ihm sagte wie intelligent ich ihn empfinde, verließ er unglaublich glücklich und verändert den Raum in seine Zelle zurück. Auch eine der unglaublichsten Erfahrungen des Tages!

GOTT TUT WUNDER. Und ER gebraucht uns jeden da, WO wir es manchmal nicht ERWARTEN.
So habe ich heute 25 neue internationale, dunkelhäutige, hellhäutige, tätowierte und gepiercte Brüder dazu gewonnen. Thanks God.




Und es gibt da noch was zu erzählen:

Ich habe beschlossen ein weiteres Jahr hier in Sydney zu studieren und den heißen Sommer zu genießen. Mein Semester endet Anfang Julie und dann werde ich zweites Jahr sein am college- werde dann zu den Großen gehören J

Ohne Zweifel weiß ich, dass ich „songwriiting“ belegen werde, um meine eigenen songs zu schreiben und die vielen Texte die ich schon habe in Musik zu verwandeln.

Ich merke einfach, ich bin hier noch nicht fertig. Es gibt noch mehr zu lernen und zu erfahrne hier für mich. Ich würde gern wiederkommen und es tut mir leid für alle die darauf gehofft hatten. Aber ich plane im September für 3 Wochen zu kommen und freue mich riesig auf euch!


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